10 Minuten

Durch unse­re Gefüh­le erle­ben wir Leben­dig­keit. Sie geben uns Aus­kunft über unse­re Bedürf­nis­se. Alles bekommt erst durch sie für uns eine Bedeu­tung. Wenn wir unse­re Gefüh­le ver­drän­gen oder uns in sie hin­ein­stei­gern, ent­fer­nen wir uns immer wei­ter von der Wirk­lich­keit und leben immer mehr in einer von unse­ren Gedan­ken erschaf­fe­nen Schein­welt. Unse­re Gefüh­le kön­nen ihre Auf­ga­be nicht abschlie­ßen und stau­en sich in uns an, ver­span­nen und ver­här­ten uns. Wir ver­lie­ren viel Ener­gie damit, sie ein­zu­frie­ren und unse­re Wahr­neh­mungs­schwel­le für Gefüh­le steigt immer wei­ter an, wodurch wir unse­re eige­ne Leben­dig­keit und die unse­rer Mit­welt immer schlech­ter erfah­ren kön­nen. Unser Gespür für fei­ne Emp­fin­dun­gen geht ver­lo­ren und damit die Ver­bin­dung zu unse­rer Intui­ti­on. Wir ver­lie­ren den bewuss­ten Kon­takt zu unse­rem Selbst und damit das Erle­ben von Frie­den, Sicher­heit und Lie­be in uns. Die­se Blo­cka­de erle­ben wir als Unsi­cher­heit, Unru­he, Getrie­ben­heit, Angst, Ohn­macht, unan­ge­neh­me Lee­re, Stumpf­heit und Ein­sam­keit. Wir brau­chen immer inten­si­ve­re und stär­ke­re Rei­ze, um über­haupt noch etwas ande­res zu empfinden.

Da wir sel­ten ler­nen mit unse­ren Gefüh­len acht­sam und bewusst in Kon­takt zu sein und oft seit vie­len Jah­ren oder auch schon unser gan­zes Leben lang so leben, kann es eine gro­ße Her­aus­for­de­rung sein, unse­re Gewohn­hei­ten zu ändern. Das Ver­drän­gen oder Hin­ein­stei­gern in Gefüh­le war für uns immer auch eine Sicher­heits-Stra­te­gie, die uns vor schein­bar noch schmerz­vol­le­ren Erfah­run­gen schüt­zen soll­te, weil wir einen ande­ren Kon­takt mit ihnen nicht gelernt haben oder nicht dazu in der Lage waren. Des­halb ist es sinn­voll, den Kon­takt mit unse­rer Innen­welt behut­sam und mit viel Acht­sam­keit auf­zu­neh­men. Es ist wich­tig, durch Erfah­run­gen im Kon­takt mit unse­ren Gefüh­len lang­sam Ver­trau­en auf­zu­bau­en und so Schritt für Schritt die Sicher­heit in uns zu ent­wi­ckeln, die es uns erlaubt, unse­re alten, uns heu­te behin­dern­den Stra­te­gien los zu lassen.

Die fol­gen­den Schrit­te die­nen als Unter­stüt­zung bei der Kon­takt­auf­nah­me und Erkun­dung unse­rer Innen­welt. Die ein­zel­nen Schrit­te sind aber nicht klar von­ein­an­der getrennt, son­dern mit­ein­an­der ver­bun­den: so kön­nen uns die ers­ten bei­den Schrit­te sehr viel leich­ter fal­len, wenn wir in den übri­gen bereits geübt sind. Da wir leben­di­ge Wesen mit leben­di­gen Pro­zes­sen sind, ist es sinn­voll leben­dig zu erkun­den, wel­cher Schritt JETZT gera­de der stim­migs­te ist. Mit etwas Übung wird uns das immer leich­ter fallen.

Anstren­gend und mühe­voll sind zunächst unse­re alten Gewohn­hei­ten, die zu der Ansamm­lung von unan­ge­neh­men Gefüh­len, behin­dern­den Gedan­ken und feh­len­dem Ver­trau­en und Sicher­heit im Kon­takt mit uns selbst geführt haben. Je mehr wir uns dar­an gewöh­nen, auf bewuss­te und acht­sa­me Wei­se mit uns und unse­rer Innen­welt in Kon­takt zu sein, umso leich­ter und mühe­lo­ser wird es für uns. Bald ist es so selbst­ver­ständ­lich wie zu atmen und wir sind in jedem Moment bewusst mit uns in Kontakt.

1. Schritt – Anschau­en und anneh­men, wie es ist

Bevor wir etwas ver­än­dern ist es sinn­voll, anzu­schau­en wie es jetzt ist. Wie gehen wir mit unse­ren Gefüh­len um? Wie sind wir mit ihnen in Kon­takt? Wozu dient uns das, und wor­in behin­dert es uns? Was sagt das über unse­re Hal­tung uns selbst und unse­rer Mit­welt gegen­über aus? Wel­che Ver­än­de­rung wün­schen wir uns? Wel­che Gedan­ken, Gefüh­le und Ver­hal­tens­wei­sen hin­dern uns dar­an? Wel­che unter­stüt­zen uns darin?

2. Schritt – Ach­tung und Dank­bar­keit dafür, wie wir es bis­her gemacht haben

Ach­tung und Dank­bar­keit kön­nen wir nicht erzwin­gen und es kann schwer sein sie zu erle­ben, wenn wir noch unter etwas lei­den. Doch auch wenn es noch schwer fal­len mag, kann es sehr hilf­reich sein und gut tun, uns bewusst zu machen, wozu unse­re Stra­te­gien uns in der Ver­gan­gen­heit gedient, wovor sie uns geschützt haben. Alles was wir sind und tun dient uns oder hat uns auf die ein oder ande­re Wei­se gedient. Das zu sehen und anzu­er­ken­nen unter­stützt uns dabei, Frie­den zu fin­den und eine acht­sa­me, lie­be­vol­le Hal­tung zu ent­wi­ckeln. Wachs­tum, Ent­wick­lung und Ent­fal­tung fin­den leich­ter im Frie­den statt als im Krieg.

3. Schritt – Wor­te für unse­re Gefüh­le finden

Es kann uns Ori­en­tie­rung und Sicher­heit geben, unse­re Gefüh­le zunächst ein­mal mit pas­sen­den Begrif­fen zu beschrei­ben. Begrif­fe für Gefüh­le kön­nen bei­spiels­wei­se sein:
Lie­be – Angst, Freu­de – Trau­er, Ver­bun­den­heit – Ein­sam­keit, Fül­le – Lee­re, Wohl­wol­len – Ärger, Ruhe – Unru­he, Wach­heit – Müdig­keit, Sicher­heit – Ohn­macht, Leben­dig­keit – Betäubtheit, usw.

Da uns die­se Begrif­fe meist bekannt und ver­traut sind, kann es uns mit ihnen leich­ter fal­len, Klar­heit über unse­re Gefüh­le zu gewin­nen, sie da sein zu las­sen und anzunehmen.

Wich­tig dabei ist, dass die Gefühls­be­grif­fe unse­re kör­per­li­chen Emp­fin­dun­gen beschrei­ben und nicht die Zustän­de, von denen wir glau­ben, dass sie die­se Emp­fin­dun­gen aus­ge­löst haben. Gefüh­le sind die Phä­no­me­ne in unse­rem Kör­per, die wir füh­len kön­nen: unse­re kör­per­li­chen Emp­fin­dun­gen – nicht unse­re Gedan­ken. Unse­re Gefüh­le und unse­re Gedan­ken beein­flus­sen sich gegen­sei­tig, für sich sind Gefüh­le aber voll­kom­men wort­los. Sie beschrei­ben, erklä­ren und deu­ten nicht. Wir kön­nen sie jedoch mit unse­ren Gedan­ken, mit Wor­ten beschreiben.

Noch direk­te­re Begrif­fe wären etwa: Wohl­ge­fühl – Schmerz, erfüllt – leer, leicht – schwer, locker – ange­spannt, weit – eng, weich – hart, warm – kühl, drü­cken – zie­hen, krib­beln, flie­ßen, ste­chen, pul­sie­ren, usw. Wenn wir die­sen rei­nen Begrif­fen für unse­re Emp­fin­dun­gen Deu­tung in Bezug auf unse­re Bedürf­nis­se ver­lei­hen, kom­men wir zu den Gefühls­be­grif­fen von oben.

Nicht gut geeig­net für einen bewuss­ten und acht­sa­men Kon­takt mit unse­ren Gefüh­len sind Gedan­ken, die unser Erle­ben deu­ten und zwar mit Gefüh­len ver­bun­den sind, aber sie nicht direkt beschrei­ben oder mit Schuld­zu­wei­sun­gen ver­mischt sind: „Ich habe das Gefühl, hier stimmt etwas nicht.”, „Ich füh­le mich miss­ver­stan­den.”, „Ich bin abge­lehnt.”, „Du machst mich wütend!”, „Ich füh­le mich von dir nicht ernst genommen!”

Begrif­fe wie: ange­nom­men – abge­lehnt, beschützt – bedroht, geliebt – gefürch­tet, gese­hen – igno­riert, geach­tet – gehasst sind „Schein­ge­füh­le”: Begrif­fe, die eine Bezie­hung zuein­an­der beschrei­ben, Hal­tun­gen oder Ver­hal­ten deu­ten, es gibt Opfer und Täter. Dies sind Gedan­ken, die unser Erle­ben deu­ten und Gefüh­le aus­lö­sen und von ihnen aus­ge­löst wer­den kön­nen – nicht unse­re Gefüh­le selbst. Wie füh­le ich mich, wel­che kör­per­li­chen, wort­lo­sen Emp­fin­dun­gen spü­re ich in mir, wenn ich das denke?

Die Unter­schei­dung ist sehr wich­tig, weil wir in die­sen Übun­gen mit unse­ren Gefüh­len, unse­ren kör­per­li­chen Emp­fin­dun­gen in Kon­takt kom­men wol­len – nicht mit unse­ren Gedan­ken, die sie aus­lö­sen oder ana­ly­sie­ren. Außer­dem sind unse­re Gefüh­le immer Tat­sa­chen: sie sind da oder nicht da. Sie sind für sich genom­men aber wert­frei und geben kei­ne Aus­kunft über ihre Ursa­che. Sie beschrei­ben, erklä­ren und bewer­ten nicht. Gedan­ken sind kei­ne Tat­sa­chen, son­dern immer Deu­tun­gen, die ver­su­chen Tat­sa­chen zu beschrei­ben und ein­zu­ord­nen, wobei wir uns oft irren, man­gel­haf­ten Infor­ma­tio­nen und Täu­schun­gen unterliegen.

4. Schritt – Füh­len: kör­per­li­che Empfindungen

In den bis­he­ri­gen Schrit­ten haben wir uns mit Hil­fe unse­rer Gedan­ken unse­ren Gefüh­len immer wei­ter ange­nä­hert (und dabei natür­lich auch schon eini­ges gefühlt). Das bewuss­te, acht­sa­me Füh­len selbst, das anneh­men­de Spü­ren unse­rer kör­per­li­chen Emp­fin­dun­gen ist hin­ge­gen wort­los und gedankenfrei.

Mit unse­rer Auf­merk­sam­keit wer­tungs­frei und anneh­mend bei unse­ren Gefüh­len zu sein, in unse­rem Kör­per, kann für uns eine gro­ße Her­aus­for­de­rung sein. Beson­ders wenn die Gefüh­le sehr inten­siv und schmerz­voll sind und unser Kopf vol­ler Gedan­ken. Des­halb kann es sinn­voll sein, uns lang­sam, Schritt für Schritt mit die­ser Art des Kon­tak­tes ver­traut zu machen.

Wir soll­ten mit die­ser Übung des­halb begin­nen, wenn wir uns mög­lichst wohl füh­len bzw. unse­re Gefüh­le nicht so inten­siv und schmerz­voll sind, dass sie uns über­for­dern. Zunächst wer­den wir uns außer­dem kör­per­li­chen Emp­fin­dun­gen zuwen­den, mit denen wir nor­ma­ler­wei­se kei­ne Schuld­ge­dan­ken gegen uns oder unse­re Mit­welt ver­knüp­fen und die wir des­halb leich­ter anneh­men können.

Fin­de einen Ort, an dem du Ruhe hast und dich mög­lichst wohl und gebor­gen fühlst. Lege oder set­ze dich bequem hin. Um nicht ein­zu­schla­fen, ist eine sit­zen­de Hal­tung bes­ser geeignet.

Um unse­re Gefüh­le bewusst und acht­sam zu füh­len, rich­ten wir unse­re Auf­merk­sam­keit in unse­ren Kör­per, wo sie statt­fin­den. Dies ist grund­sätz­lich unse­re ein­zi­ge „Hand­lung” dabei, wei­ter gibt es nichts zu tun. Hin­schau­en, anschau­en, spü­ren, füh­len – ohne Ziel, ohne Bewer­tung, ohne Erwartung.

Wenn Gedan­ken auf­tau­chen oder wir uns bereits in Gedan­ken ver­sun­ken wie­der­fin­den, neh­men wir das wahr und rich­ten unse­re Auf­merk­sam­keit wie­der auf unse­re kör­per­li­chen Empfindungen.

I) Füh­len – Ober­flä­che dei­nes Körpers

Schlie­ße dei­ne Augen und atme drei­mal tief in den Bauch ein und aus. Wan­de­re mit dei­ner Auf­merk­sam­keit über dei­ne Haut, vom Kopf aus­ge­hend über Gesicht, Hals, Schul­tern, Arme, Hän­de, Fin­ger, Rücken, Brust, Bauch, Becken, Po, Ober­schen­kel, Knie, Unter­schen­kel, Füße, bis zu dei­nen Zehenspitzen.

Nimm die Berüh­run­gen mit der Ober­flä­che wahr, auf der du sitzt oder liegst, dei­ne Klei­dung auf der Haut, die Luft, die dich umgibt.

Mache die­se Übun­gen mit der Hal­tung eines neu­gie­ri­gen Kin­des. Es geht nur ums Anschau­en, nicht dar­um, etwas zu bewer­ten. Tau­chen Gedan­ken auf, nimm sie bewusst wahr und rich­te dei­ne Auf­merk­sam­keit wie­der auf dei­nen Kör­per. Es gibt wei­ter nichts zu tun.

II) Füh­len – Atem wahrnehmen

Die fol­gen­den Übun­gen kannst du für sich allei­ne oder mit­ein­an­der ver­bun­den machen.

Schlie­ße dei­ne Augen und atme drei­mal tief in den Bauch ein und aus.

a) Rich­te dei­ne Auf­merk­sam­keit auf dei­ne Nasen­spit­ze und spü­re, wie die Luft kühl ein- und warm wie­der ausströmt.

b) Beob­ach­te dei­nen Atem, ohne ihn zu ver­än­dern. Fol­ge ihm, wie er durch die Nase durch dei­ne Luft­röh­re in dei­nen Ober­kör­per hin­ein und wie­der hin­aus strömt. Spü­re ob und wie sich dei­ne Brust hebt und senkt und dein Atem sie aus­füllt. Spü­re ob und wie sich dein Bauch hebt und senkt und wie dein Atem ihn ausfüllt.

c) Atme bewusst in dei­nen Bauch hin­ein, ruhig und tief. Spü­re wie sich dein Bauch hebt und senkt und wie dein Atem ihn ausfüllt.

d) Stel­le dir vor, wie du in dei­nen gesam­ten Kör­per ein­at­mest, gelenkt durch dei­ne Auf­merk­sam­keit: in dei­ne Brust, dei­nen Bauch, dei­ne Arme, dei­ne Hän­de bis in die Fin­ger­spit­zen, in dein Becken, dei­ne Arme, dei­ne Füße bis zu den Zehen­spit­zen. Stell dir vor, wie du mit jedem Atem­zug in dei­nen gesam­ten Kör­per ein­at­mest – und wie­der aus.

III) Füh­len – Tie­fe dei­nes Körpers

Die­se Übung baut auf den bei­den vor­he­ri­gen auf, wobei du aber mit dei­ner Auf­merk­sam­keit nicht an der Ober­flä­che dei­nes Kör­pers und bei dei­nem Atem bleibst, son­dern ihn auch in sei­ner gesam­ten Tie­fe und Wei­te wahr­nimmst und alle Gefüh­le, die da sein wol­len, da sein lässt und wahrnimmst.

Schlie­ße dei­ne Augen und atme drei­mal tief in den Bauch ein und aus. Wan­de­re mit dei­ner Auf­merk­sam­keit lang­sam durch dei­nen Kör­per, vom Kopf aus­ge­hend über Hals, Schul­tern, Arme, Hän­de, Fin­ger, Brust, Bauch, Becken, Ober­schen­kel, Knie, Unter­schen­kel, Füße, bis zu dei­nen Zehenspitzen.

a) Nimm die Emp­fin­dun­gen wahr, die du ent­deckst, aber ver­wei­le noch nicht all­zu lan­ge bei ihnen.

b) Ver­wei­le bei einer Emp­fin­dung, die du ent­deckst. Beob­ach­te ohne Erwar­tun­gen und Bewertungen.

c) Suche gezielt nach einer unan­ge­neh­men Emp­fin­dung und ver­wei­le bei ihr. Beob­ach­te ohne Erwar­tun­gen und Bewertungen.

d) Suche gezielt nach einer ange­neh­men Emp­fin­dung und ver­wei­le bei ihr. Beob­ach­te ohne Erwar­tun­gen und Bewertungen.

e) Suche gezielt nach einer ange­neh­men und einer unan­ge­neh­men Emp­fin­dung und ver­su­che, dei­ne Auf­merk­sam­keit gleich­zei­tig auf sie zu rich­ten und ver­wei­le bei ihnen. Beob­ach­te ohne Erwar­tun­gen und Bewertungen.

f) Ver­wei­le mit dei­ner Auf­merk­sam­keit in dei­nem Bauch­raum. Beob­ach­te ohne Erwar­tun­gen und Bewertungen.

g) Ver­wei­le mit dei­ner Auf­merk­sam­keit in dei­nem Brust­raum. Beob­ach­te ohne Erwar­tun­gen und Bewertungen.

5. Schritt – Füh­len: Emotionen

Dies ist der wahr­schein­lich her­aus­for­dernds­te Schritt: der Kon­takt mit unse­ren kör­per­li­chen Emp­fin­dun­gen, wenn wir Emo­tio­nen erle­ben. Emo­tio­nen sind das oft­mals etwas chao­ti­sche und mit­un­ter explo­si­ve Gemisch von Gedan­ken und Gefüh­len, die sich gegen­sei­tig verstärken.

Da wir geübt haben mit kör­per­li­chen Emp­fin­dun­gen bewusst und anneh­mend in Kon­takt zu sein, die wir eher nicht als Angriff deu­ten und damit leich­ter anschau­en und anneh­men kön­nen, soll­te uns dies nun auch mit sol­chen Gefüh­len leich­ter fal­len, die wir bis­her abge­lehnt, igno­riert, unter­drückt und bekämpft haben, und für die wir uns selbst oder unse­rer Mit­welt die Schuld geben.

Gleich­wohl soll­ten wir mög­lichst mit nicht ganz so inten­si­ven und schmerz­vol­len Gefüh­len und in einer geschütz­ten Umge­bung, in der wir uns wohl füh­len, begin­nen. Mit jedem acht­sa­men, anneh­men­den Kon­takt mit unse­ren Gefüh­len kön­nen sie sich etwas abbau­en und unser Ver­trau­en und unse­re Sicher­heit dar­in wachsen.

Wenn die Gefüh­le zu inten­siv sind, kön­nen die Atem­übun­gen aus II) hel­fen, ruhi­ger zu wer­den. Dann füh­re die Übun­gen aus III) aus.

6. Schritt – Wel­che Bedürf­nis­se lösen die Gefüh­le aus?

Unse­re Gefüh­le sind Signa­le, die uns Aus­kunft über unse­re Bedürf­nis­se und damit über unse­re Leben­dig­keit geben. Eben­so wie unse­re Gefüh­le, sind auch unse­re Bedürf­nis­se kei­ne Gedan­ken oder Hand­lun­gen. Gedan­ken und Hand­lun­gen sind Ein­flüs­se, Mög­lich­kei­ten und Stra­te­gien, die unse­re Bedürf­nis­se erfül­len – oder nicht erfül­len kön­nen. Unse­re Bedürf­nis­se selbst sind uni­ver­sell und form­los. Es ist jedoch hilf­reich, sinn­vol­le Begrif­fe zu fin­den, um sie zu beschrei­ben: Selbst­er­hal­tung, Sicher­heit, Frie­den, Frei­heit, Gesund­heit, Leben­dig­keit, Sinn, Ach­tung, Aner­ken­nung, Ehr­lich­keit, Offen­heit, Klar­heit, Freund­lich­keit, Aus­ge­wo­gen­heit, Ver­trau­en, Ver­ständ­nis, Ver­bun­den­heit, Nähe, Raum, Kon­takt, Gemein­schaft, Zuge­hö­rig­keit, Sinn­lich­keit, Mit­ge­fühl, Empa­thie, Dan­ken, Fei­ern, Trau­ern, Ruhe, Rück­sicht­nah­me, Unter­stüt­zung, Leich­tig­keit, Gebor­gen­heit, Krea­ti­vi­tät, Selbst­aus­druck, Wirk­sam­keit, Wei­ter­ent­wick­lung, usw.

Manch­mal ist uns klar, wel­che unse­rer Bedürf­nis­se erfüllt sind und wel­che nicht, es kann uns aber auch schwer fal­len, uns unse­rer Bedürf­nis­se und ihres Zustan­des klar zu wer­den. Es kann hilf­reich sein, eine Lis­te mit Bedürf­nis-Begrif­fen durch­zu­ge­hen, mit der Auf­merk­sam­keit auf einem Bedürf­nis zu ver­wei­len, und im Kör­per nach­zu­spü­ren, wel­che Gefühls­ant­wort dar­auf ent­steht. Ange­neh­me Gefüh­le deu­ten dar­auf hin, dass das Bedürf­nis für uns erfüllt ist, unan­ge­neh­me Gefüh­le deu­ten auf uner­füll­te Bedürfnisse.

Die Klar­heit über die unse­ren Gefüh­len zugrun­de­lie­gen­den Bedürf­nis­se kann für uns eine gro­ße Erleich­te­rung sein. Manch­mal führt allei­ne die­se Klar­heit dazu, dass es uns bes­ser geht – unse­re unan­ge­neh­men Gefüh­le konn­ten ihre Auf­ga­be erfül­len. Manch­mal kön­nen wir dabei auch Trau­rig­keit emp­fin­den, weil wir uns gleich­zei­tig über etwas bewusst wer­den, was uns viel­leicht schon lan­ge gefehlt hat, oder wor­um wir uns nicht gut geküm­mert haben. Gehe auch mit die­sen ent­ste­hen­den Gefüh­len in acht­sa­men Kontakt.

Die Klar­heit über unse­re Bedürf­nis­se ist ein wich­ti­ger Schritt, um sinn­vol­le Mög­lich­kei­ten zu fin­den, sie zu erfüllen.

Ach­tung: die Ursa­che für unse­re uner­füll­ten Bedürf­nis­se wird durch die­sen Schritt nicht immer klar. Oft sind das unse­re eige­nen Gedanken.

7. Schritt – von der Übung in den Alltag

Zunächst wirst du die­se Übun­gen viel­leicht als Übun­gen erle­ben, für die du regel­mä­ßig dei­nen übri­gen All­tag unter­brichst und dir Zeit und Raum nimmst. Mit wach­sen­der Ver­traut­heit in die Art und Wei­se des Kon­tak­tes zu dei­nem Selbst wird es dir bald immer leich­ter fal­len, im Lau­fe eines Tages immer wie­der kurz inne zu hal­ten und bei allem was du tust mit dei­nen Gefüh­len in acht­sa­men Kon­takt zu kom­men. Du kannst zunächst Situa­tio­nen in denen du auf etwas war­ten musst dazu nut­zen, oder Tätig­kei­ten, die kei­ne gro­ßen geis­ti­gen Anstren­gun­gen erfordern.

Die Dau­er, wäh­rend der du in acht­sa­mem Kon­takt bist, kann sich immer wei­ter aus­deh­nen, bis es für dich die meis­te Zeit so mühe­los und nor­mal sein wird, wie zu atmen. Du bist leben­dig mit dir und dei­ner Mit­welt ver­bun­den und erfährst leich­ter und mühe­lo­ser Ruhe, Frie­den, Klar­heit und Liebe.

Acht­sa­men Kon­takt mit unse­ren Gefüh­len lernen
Teilen oder unterstützen?

Begleitung

Lebensberatung & Coaching

Unser Leben und unsere Mitwelt sind reich an Herausforderungen.

Ich begleite dich auf deinem Weg und unterstütze dich auf vielfältige Weise dabei, die inneren Voraussetzungen für Frieden, Lebendigkeit, Sicherheit und Fülle in deinem Leben und deiner Mitwelt zu schaffen.

Ich schaffe für dich einen sicheren Raum, in dem du Aufmerksamkeit, Annahme, Empathie, Mitgefühl und Verständnis erfahren kannst und unterstütze dich dabei, bewusst, achtsam und mitfühlend mit deinen Sinneswahrnehmungen, Gedanken, Gefühlen, Körperempfindungen und Bedürfnissen in Kontakt zu sein, Klarheit zu gewinnen und die für dich stimmigen und sinnvollen Schritte zu gehen.

Begleitung, Lebensberatung & Coaching »

Beiträge mit gleichen Schlagwörtern finden:

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
4 Kommentare
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Dr.Hintelmann
Dr.Hintelmann
vor 2 Jahren

Hal­lo

dan­ke, ich fin­de den Arti­kel inhalt­lich sehr wert­voll und genau auf das Wesent­li­che konzentriert.
bedau­er­lich, dass er so wenig gele­sen wird und dann wun­dern sich die Men­schen, wenns irgend­wann zu Ende geht und sie jam­mern, ich hab doch noch gar nicht gelebt!
Danke
micha­el aus Berlin

Serena
Serena
vor 1 Jahr

Dan­ke für die­sen Artikel!!
Der Schritt, mei­ne zugrun­de lie­gen­de Blo­cka­de erst­mal zu erken­nen und zu akzep­tie­ren war so hilf­reich und erleuch­tend für mich. Das ist ein­fach viel effek­ti­ver als stän­dig zu ver­su­chen dage­gen anzu­kämp­fen und sich vor­zu­wer­fen, wie schäd­lich die­se Blo­cka­de für einen ist (wie es mir bei ande­ren Arti­keln ging).

Ganz viel Lie­be ❤️❤️ Serena

Ella
Ella
vor 4 Monaten

Vie­len Dank für die­sen sehr hilf­rei­chen Arti­kel. Mir ist so viel klar gewor­den und Dank der tol­len Beschrei­bung habe ich nicht nur den Mut, son­dern auch über­haupt erst das Bedürf­nis ent­deckt, mit mei­nem Kör­per und den dazu­ge­hö­ri­gen Gefühlen/Empfindungen wie­der in Kon­takt zu tre­ten. Ja, es ist mit Übung ver­bun­den, aber ich kann bestä­ti­gen, es wird immer „leich­ter“ und der Wunsch nach „leben“ immer grö­ßer! Danke