4 Minuten

Wenn wir die Wirk­lich­keit bewuss­ter erle­ben und viel­leicht sogar aus unse­rem Traum von Wirk­lich­keit erwa­chen wol­len, müs­sen wir ler­nen zu beob­ach­ten und uns nicht mehr mit dem Beob­ach­te­ten zu identifizieren.

Durch kla­res Beob­ach­ten kön­nen wir zwi­schen unse­ren Sin­nes­ein­drü­cken und unse­ren mit Ihnen ver­bun­de­nen Deu­tun­gen und Vor­stel­lun­gen unter­schei­den ler­nen und dadurch so nah mit der Wirk­lich­keit in Kon­takt kom­men, wie uns das als Men­schen mit unse­ren ein­ge­schränk­ten Sin­nen mög­lich ist.

Um zu ler­nen bewusst zu beob­ach­ten, rich­ten wir gezielt unse­re Auf­merk­sam­keit auf unter­schied­li­che Berei­che unse­rer Wahr­neh­mung. Das kön­nen unter­schied­li­che Sin­nes­ein­drü­cke außer­halb oder inner­halb unse­res Kör­pers sein. Wir kön­nen die Welt um uns her­um sehen, hören, rie­chen, tas­ten, füh­len und schme­cken. Und auch in uns kön­nen wir Bil­der sehen, Wor­te und Geräu­sche hören und unse­ren Kör­per füh­len. Dazu gehö­ren auch unse­re Gedan­ken und unse­re Gefüh­le, kör­per­li­che Empfindungen.

Wenn wir das eine Wei­le üben, kön­nen wir ver­schie­de­ne Erfah­run­gen machen. Wir kön­nen vie­les in uns uns ent­de­cken, was wir bis­her nicht oder anders wahr­ge­nom­men haben. Wir erle­ben viel­leicht, wie sehr unse­re Erfah­rung von Wirk­lich­keit dadurch beein­flusst wird, wel­che Gedan­ken und Gefüh­le in uns auf­tau­chen, wie wir durch sie alles deu­ten und bewer­ten oder auf alte Deu­tun­gen und Bewer­tun­gen zurück­grei­fen und wie wir uns und unse­re Mit­welt durch die­se Fil­ter erfah­ren. Viel­leicht machen wir sogar das ers­te Mal bewusst die Erfah­rung, dass wir unse­re Gedan­ken und Gefüh­le beob­ach­ten kön­nen, also nicht mit ihnen iden­tisch sind. Und dass allei­ne das bewuss­te Beob­ach­ten unse­rer Gedan­ken und Gefüh­le etwas in unse­rer Wahr­neh­mung und unse­rem Erle­ben ver­än­dert. Wir kön­nen Gedan­ken und Gefüh­le in uns ent­ste­hen, ver­wei­len und ver­schwin­den sehen, wie wir unse­ren Atem beob­ach­ten kön­nen oder Wol­ken am Him­mel. In Momen­ten erfah­ren wir, dass wir wahr­neh­men kön­nen, ohne gleich­zei­tig zu den­ken und zu deu­ten. Dass Stil­le und Lee­re erfüllt sind und sich wun­der­voll anfühlen.

Wir kön­nen die Erfah­rung machen, dass wir ohne zu den­ken bewuss­ter, kla­rer und gegen­wär­ti­ger sind. Und das jeder Gedan­ke nur so viel Bedeu­tung hat, wie wir selbst ihm geben.

Wir selbst?

Wer oder was ist das eigent­lich, das wir als „Selbst” oder „Ich” bezeich­nen? Je län­ger und kla­rer wir beob­ach­ten, des­to mehr kön­nen wir erfah­ren, dass unse­re Vor­stel­lung von uns selbst als per­sön­li­che Iden­ti­tät eine Ansamm­lung von Gedan­ken, Bil­dern und Gefüh­len ist, die wir alle beob­ach­ten kön­nen, eben­so wie wir unse­ren Kör­per beob­ach­ten kön­nen. Alle die­se Phä­no­me­ne ver­än­dern sich, haben kei­nen Bestand. Wor­an kön­nen wir erken­nen, ob die­se Phä­no­me­ne Wirk­lich­keit sind? Und kön­nen wir iden­tisch sein mit dem, was wir beob­ach­ten können?

Wer oder was beob­ach­tet da über­haupt? Wenn wir ver­su­chen zu beob­ach­ten, was beob­ach­tet, wovon die Beob­ach­tung aus­geht, müs­sen wir irgend­wann auf­ge­ben: es ist nicht mög­lich zu beob­ach­ten, was beob­ach­tet! Immer dann wenn wir glau­ben es zu kön­nen, stellt sich her­aus, dass wir statt­des­sen einen Gedan­ken oder ein Bild beob­ach­tet haben, von dem wir nur glaub­ten, es sei das Beob­ach­ten­de. Jedes Bild, jeder Gedan­ke, jedes Gefühl wird beob­ach­tet. Alles was wir erfah­ren, wird durch das Beob­ach­ten­de wahrgenommen.

Wenn wir erfah­rend erken­nen, dass wir das Beob­ach­ten­de sind, das wir nicht beob­ach­ten kön­nen, erwa­chen wir. Manch­mal nur für einen kur­zen Moment. Wir erken­nen, dass wir nicht sind, was wir beob­ach­ten, nicht unse­re Sin­nes­ein­drü­cke, unser Kör­per, Gedan­ken oder unse­re Gefüh­le. Wir mögen damit ver­bun­den sein, aber wir sind nicht damit iden­tisch. Wir sind nicht die For­men, die wir beob­ach­ten kön­nen, all das, was sich ver­än­dert, kommt und geht. Wir sind das Form­lo­se, das all das sich Ver­än­dern­de wahr­nimmt, ohne sich selbst zu verändern.

Wir sind Bewusst­sein, das wahrnimmt.

Das ist das Ein­zi­ge, von dem wir sicher sagen kön­nen, dass es Wirk­lich­keit ist und das Bestand hat. Was nicht kommt und geht, son­dern immer da ist. Wir sind. Und wir beobachten.

Unser Ver­stand kann nicht begrei­fen, was wir sind. Unser Ver­stand, sei­ne Gedan­ken und Bil­der sind For­men, die inner­halb unse­res form­lo­sen Bewusst­seins exis­tie­ren. Wir kön­nen bewusst sein, ohne zu den­ken. Wir kön­nen nicht den­ken, ohne bewusst zu sein. Wir sind Bewusst­sein und kön­nen Gedan­ken beob­ach­ten. Aber unse­re Gedan­ken selbst sind nicht in der Lage zu beob­ach­ten, was wir sind. Sie sind selbst kein Wahr­neh­mungs­in­stru­ment. Unse­re Gedan­ken sind kein Bewusst­sein. Unse­re Gedan­ken beob­ach­ten nicht.

Wir kön­nen erken­nen, dass wir selbst – rei­nes Bewusst­sein, dar­über bestim­men, ob wir einem Gedan­ken Auf­merk­sam­keit schen­ken und an ihn glau­ben oder nicht. Ob ein Gedan­ke für uns Wirk­lich­keit ist, bestimmt unser Bewusst­sein. Und wir kön­nen erken­nen, dass wir uns so in Gedan­ken und Gefüh­len ver­lie­ren kön­nen, dass wir glau­ben, die­se Gedan­ken und Gefüh­le wären die Wirk­lich­keit und das Bild einer Per­son wäre unser Selbst.

Wenn wir nicht mehr in den Traum unse­rer Gedan­ken zurück­fal­len, kön­nen wir dau­er­haft erwa­chen. Vie­les ver­än­dert sich dadurch. Wir sind so nah es uns in unse­rem mensch­li­chen Kör­per mit unse­ren mensch­li­chen Sin­nen mög­lich ist, mit der Wirk­lich­keit ver­bun­den. Wir kön­nen zwi­schen rei­nen Beob­ach­tun­gen und deren Deu­tun­gen unter­schei­den und wir sind bewusst in der Lage, das Instru­ment unse­rer Gedan­ken zu nut­zen – ohne uns mit ihnen zu iden­ti­fi­zie­ren und durch sie benutzt zu werden.

Als rei­nes, erwach­tes Bewusst­sein erfah­ren wir etwas, das unser Leben grund­le­gend ver­än­dert: Frie­den, Lie­be, Leben­dig­keit, Ver­trau­en und Sicher­heit sind mit unse­rem Selbst natür­lich ver­bun­den. Nur Gedan­ken, an die wir glau­ben, kön­nen uns in ihrer Wahr­neh­mung behindern.

Unser Bewusst­sein ist unver­än­der­lich und vollkommen.

Aus dem Traum erwachen
Teilen oder unterstützen?

Begleitung

Lebensberatung & Coaching

Unser Leben und unsere Mitwelt sind reich an Herausforderungen.

Ich begleite dich auf deinem Weg und unterstütze dich auf vielfältige Weise dabei, die inneren Voraussetzungen für Frieden, Lebendigkeit, Sicherheit und Fülle in deinem Leben und deiner Mitwelt zu schaffen.

Ich schaffe für dich einen sicheren Raum, in dem du Aufmerksamkeit, Annahme, Empathie, Mitgefühl und Verständnis erfahren kannst und unterstütze dich dabei, bewusst, achtsam und mitfühlend mit deinen Sinneswahrnehmungen, Gedanken, Gefühlen, Körperempfindungen und Bedürfnissen in Kontakt zu sein, Klarheit zu gewinnen und die für dich stimmigen und sinnvollen Schritte zu gehen.

Lebensberatung & Coaching »

Beiträge mit gleichen Schlagwörtern finden:

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen